Sie sind krank und haben eine Kündigung in München erhalten? Viele Arbeitnehmer glauben, dass eine Kündigung während der Krankschreibung nicht erlaubt ist. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Tatsächlich ist eine Kündigung während der Krankheit grundsätzlich möglich – aber sie muss alle arbeitsrechtlichen Vorgaben einhalten.
GPS Rechtsanwälte in München prüfen Ihre Kündigung kostenlos. Oft bestehen gute Chancen, die Kündigung anzugreifen – besonders wenn kein Betriebliches Eingliederungsmanagement durchgeführt wurde.
Während Krankheit gekündigt?
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Kostenlose Erstberatung 089 - 201 741 44Kündigung während Krankheit – ist das erlaubt?
Die klare Antwort: Ja, eine Kündigung während einer Krankschreibung ist zulässig. Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Verbot, während einer Arbeitsunfähigkeit zu kündigen. Die Krankschreibung schützt Sie nicht vor einer Kündigung.
Man muss allerdings zwei Situationen unterscheiden:
- Kündigung während der Krankheit: Der Arbeitgeber kündigt aus einem anderen Grund (z.B. betriebsbedingt), während Sie zufällig krank sind → grundsätzlich zulässig
- Kündigung wegen der Krankheit: Die Krankheit selbst ist der Kündigungsgrund → krankheitsbedingte Kündigung, strenge Voraussetzungen
Krankheitsbedingte Kündigung: Voraussetzungen
Eine krankheitsbedingte Kündigung als Unterfall der personenbedingten Kündigung muss drei Stufen bestehen:
Stufe 1: Negative Gesundheitsprognose
Zum Zeitpunkt der Kündigung muss die Prognose negativ sein: Es muss damit zu rechnen sein, dass der Arbeitnehmer auch in Zukunft erheblich krank sein wird. Indizien dafür:
- Wiederholte Kurzerkrankungen in den letzten 2-3 Jahren (regelmäßig über 6 Wochen/Jahr)
- Langzeiterkrankung ohne absehbares Ende
- Chronische Erkrankung mit wiederkehrenden Schüben
Praxis-Tipp: Die negative Prognose kann durch aktuelle ärztliche Atteste widerlegt werden. Wenn Ihr Arzt bestätigt, dass Sie wieder voll einsatzfähig sind, schwächt das die Position des Arbeitgebers erheblich.
Stufe 2: Erhebliche Beeinträchtigung betrieblicher Interessen
Die Fehlzeiten müssen zu konkreten Beeinträchtigungen führen:
- Betriebsablaufstörungen durch häufige, unvorhersehbare Ausfälle
- Erhebliche Entgeltfortzahlungskosten (deutlich über 6 Wochen/Jahr über mehrere Jahre)
- Organisationsprobleme bei der Vertretung
Stufe 3: Interessenabwägung
Die Beeinträchtigung muss das Interesse des Arbeitnehmers am Erhalt seines Arbeitsplatzes überwiegen. Zugunsten des Arbeitnehmers sprechen: lange Betriebszugehörigkeit, Alter, Unterhaltspflichten, betriebliche Ursache der Erkrankung.
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)
Bevor der Arbeitgeber krankheitsbedingt kündigt, muss er ein BEM nach § 167 Abs. 2 SGB IX durchführen. Das BEM ist Pflicht, wenn Sie in den letzten 12 Monaten insgesamt länger als 6 Wochen arbeitsunfähig waren.
Im BEM-Verfahren wird gemeinsam geprüft, wie Ihre Arbeitsfähigkeit erhalten oder wiederhergestellt werden kann. Ohne ordnungsgemäßes BEM hat der Arbeitgeber im Kündigungsschutzprozess am Arbeitsgericht München erhebliche Darlegungsprobleme.
Was bedeutet das für Sie? Wenn Ihr Arbeitgeber kein BEM durchgeführt hat, stehen Ihre Chancen in einer Kündigungsschutzklage deutlich besser. Das BEM-Versäumnis ist einer der häufigsten Angriffspunkte bei krankheitsbedingten Kündigungen.
Zugang der Kündigung bei Krankheit
Ein praktisches Problem: Wenn Sie krank zu Hause liegen, wie wird die Kündigung zugestellt? Die Kündigung geht Ihnen zu, wenn:
- Sie in Ihren Briefkasten eingeworfen wird – auch wenn Sie im Krankenhaus liegen
- Sie per Einschreiben kommt – der Zugang gilt als erfolgt, wenn das Einschreiben in Ihren Briefkasten gelegt wird
- Sie von einem Boten übergeben wird
Wichtig: Die 3-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage beginnt mit dem Zugang der Kündigung – auch wenn Sie krank sind und die Kündigung erst Tage später lesen. In Ausnahmefällen kann eine nachträgliche Klagezulassung möglich sein.
Entgeltfortzahlung trotz Kündigung
Auch wenn Ihnen während der Krankheit gekündigt wird, besteht Ihr Anspruch auf Entgeltfortzahlung für 6 Wochen fort. Der Arbeitgeber darf die Entgeltfortzahlung nicht einfach einstellen, weil er gekündigt hat.
Nach Ende der Entgeltfortzahlung erhalten Sie Krankengeld von Ihrer Krankenkasse – auch über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus, wenn die Arbeitsunfähigkeit fortbesteht.
Was tun bei Kündigung während Krankheit?
- Briefkasten regelmäßig prüfen: Auch wenn Sie krank sind – die Kündigung geht zu, wenn sie im Briefkasten liegt
- 3-Wochen-Frist beachten: Die Frist läuft auch während der Krankheit
- Anwalt kontaktieren: GPS Rechtsanwälte prüfen Ihre Kündigung kostenlos
- BEM-Unterlagen prüfen: Wurde ein BEM durchgeführt? Wurden Sie eingeladen?
- Ärztliches Attest einholen: Eine positive Gesundheitsprognose stärkt Ihre Position
- Arbeitsagentur informieren: Arbeitssuchend melden trotz Krankheit
Abfindung bei Kündigung während Krankheit
In vielen Fällen lässt sich bei einer Kündigung während der Krankheit eine Abfindung erzielen – besonders wenn der Arbeitgeber kein BEM durchgeführt hat oder die negative Prognose zweifelhaft ist. Über eine Kündigungsschutzklage wird häufig ein Vergleich mit Abfindung erzielt.