Die Raucherpause gehört für viele Arbeitnehmer zum Arbeitsalltag. Doch was passiert, wenn der Arbeitgeber das nicht mehr duldet und eine Abmahnung ausspricht? In unserer Kanzlei in München beraten wir regelmässig Arbeitnehmer, die wegen Raucherpausen abgemahnt wurden – und die Fälle sind vielfältiger als man denkt.
Rechtslage: Raucherpausen am Arbeitsplatz
Die rechtliche Ausgangslage ist klar: Es gibt kein gesetzliches Recht auf Raucherpausen während der Arbeitszeit. Der Arbeitgeber bestimmt im Rahmen seines Weisungsrechts (Paragraph 106 GewO), wann und wie lange Pausen gemacht werden dürfen.
Das Arbeitszeitgesetz schreibt lediglich vor, dass bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden eine Pause von mindestens 30 Minuten gewährt werden muss. Diese Pause dürfen Sie natürlich zum Rauchen nutzen. Darüber hinausgehende Raucherpausen sind jedoch nicht geschuldet.
In der Praxis gibt es verschiedene Regelungen:
- Ausdrückliche Erlaubnis: Manche Arbeitgeber gestatten Raucherpausen unter bestimmten Bedingungen – etwa nur an bestimmten Orten oder mit Ausstempelpflicht.
- Stillschweigende Duldung: Der Arbeitgeber weiss von den Raucherpausen und toleriert sie. Dies kann eine betriebliche Übung begründen.
- Ausdrückliches Verbot: Der Arbeitgeber untersagt Raucherpausen während der Arbeitszeit. Ein Verstoss kann abgemahnt werden.
Wann ist die Abmahnung berechtigt?
Eine Abmahnung wegen Raucherpausen ist in folgenden Fällen in der Regel berechtigt:
Verstoss gegen ein ausdrückliches Verbot: Wenn der Arbeitgeber Raucherpausen klar untersagt hat und Sie dennoch rauchen gehen, ist die Abmahnung gerechtfertigt. Voraussetzung ist, dass das Verbot Ihnen nachweislich bekannt war.
Arbeitszeitbetrug: Wenn eine Ausstempelpflicht für Raucherpausen besteht und Sie ohne Ausstempeln rauchen gehen, handelt es sich um Arbeitszeitbetrug. Dies wiegt besonders schwer und kann unter Umständen sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigen.
Übermässige Häufigkeit: Selbst wenn Raucherpausen grundsätzlich geduldet werden, kann eine übermässige Häufigkeit abgemahnt werden. Wer zehnmal am Tag für jeweils zehn Minuten verschwindet, verletzt seine Arbeitspflicht.
Rauchen an verbotenen Orten: Rauchen in Gebäuden, in der Nähe von feuergefährdeten Bereichen oder in Kundenbereichen kann unabhängig von der Pausenregelung abgemahnt werden.
Betriebliche Übung und Vertrauensschutz
Ein wichtiger Aspekt: Wenn der Arbeitgeber Raucherpausen über einen längeren Zeitraum geduldet oder sogar gefördert hat, kann er sein Verhalten nicht von heute auf morgen ändern, ohne dies klar zu kommunizieren.
In der Rechtsprechung wird dies als betriebliche Übung oder Vertrauensschutz behandelt. Bevor eine Abmahnung wirksam ist, muss der Arbeitgeber:
- Die neue Regelung eindeutig und schriftlich bekanntgeben
- Allen Mitarbeitern eine angemessene Übergangsfrist gewähren
- Die Regelung gleichmässig auf alle Mitarbeiter anwenden
Wenn der Arbeitgeber gestern noch mit Ihnen gemeinsam in der Raucherpause stand und heute eine Abmahnung ausspricht, hat diese gute Chancen, unwirksam zu sein.
Abmahnung wegen Raucherpause prüfen
Rechtsanwalt Gellert prüft, ob Ihre Abmahnung berechtigt ist.
Kostenlose Erstberatung 089 - 201 741 44Mögliche Konsequenzen einer Abmahnung
Eine Abmahnung wegen Raucherpausen sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie hat folgende mögliche Konsequenzen:
Vorbereitung einer Kündigung: Die Abmahnung ist in der Regel Voraussetzung für eine spätere verhaltensbedingte Kündigung. Wenn Sie nach der Abmahnung erneut gegen die Raucherpausen-Regelung verstossen, kann der Arbeitgeber kündigen.
Negative Personalakte: Die Abmahnung wird in Ihrer Personalakte abgelegt. Sie kann bei Beurteilungen, Beförderungen oder internen Bewerbungen negativ ins Gewicht fallen.
Eskalation: In besonders schweren Fällen – etwa bei Arbeitszeitbetrug durch nicht ausgestempelte Raucherpausen – kann auch ohne vorherige Abmahnung eine fristlose Kündigung ausgesprochen werden.
So gehen Sie vor
- Abmahnung sorgfältig lesen: Welcher konkrete Vorwurf wird erhoben? Ist er korrekt und ausreichend detailliert?
- Betriebliche Regelungen prüfen: Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder Arbeitsanweisung zum Thema Raucherpausen? Wurden diese klar kommuniziert?
- Duldungspraxis dokumentieren: Hat der Arbeitgeber Raucherpausen bisher geduldet? Haben auch andere Mitarbeiter Raucherpausen gemacht, ohne abgemahnt zu werden?
- Fachanwalt konsultieren: Lassen Sie die Abmahnung professionell prüfen. Oft gibt es Ansatzpunkte, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind.
- Gegendarstellung einreichen: Bei unberechtigten Abmahnungen haben Sie das Recht auf eine Gegendarstellung. Diese wird ebenfalls in der Personalakte abgelegt.
Eine Abmahnung wegen Raucherpausen ist oft der erste Schritt in einem Eskalationsprozess. Je früher Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, desto besser können Sie Ihre Position schützen. Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Erstberatung – wir helfen Ihnen, die richtige Strategie zu entwickeln.