Nicht jede Kündigungsschutzklage endet mit einer Abfindung. Wenn das Arbeitsgericht München die Kündigung für wirksam erklärt, stehen Sie vor der Frage: Was kann ich jetzt noch tun? Wir erklären die rechtlichen Möglichkeiten und wie Sie diese Situation vermeiden können.
Was bedeutet es, die Kündigungsschutzklage zu verlieren?
Wenn das Arbeitsgericht München Ihre Klage abweist, hat das folgende Konsequenzen:
- Die Kündigung wird für wirksam erklärt. Das Arbeitsverhältnis endet zum genannten Termin.
- Es besteht kein Anspruch auf Abfindung. Der Arbeitgeber muss nichts zahlen.
- Sie haben Ihre Anwaltskosten selbst zu tragen – in der ersten Instanz gibt es vor dem Arbeitsgericht keine Kostenerstattung durch die Gegenpartei.
In der Praxis kommt ein verlorenes Verfahren allerdings seltener vor als viele denken. Über 60 Prozent aller Kündigungsschutzklagen enden mit einem Vergleich – also einer Einigung auf eine Abfindung. Nur ein kleiner Teil wird tatsächlich durch Urteil entschieden.
Häufige Gründe für eine verlorene Klage
Es gibt typische Konstellationen, in denen die Chancen auf eine erfolgreiche Klage von vornherein schlecht stehen:
- Rechtmäßige betriebsbedingte Kündigung: Der Arbeitgeber hat die Sozialauswahl korrekt durchgeführt und kann den Wegfall des Arbeitsplatzes nachweisen.
- Schwerwiegendes Fehlverhalten: Bei einer fristlosen Kündigung wegen Diebstahl, Betrug oder vergleichbar schweren Pflichtverletzungen sind die Erfolgsaussichten gering.
- Kein Kündigungsschutz: In Kleinbetrieben mit zehn oder weniger Mitarbeitern gilt das Kündigungsschutzgesetz nicht – die Hürden für eine erfolgreiche Klage sind deutlich höher.
- Wirksame Abmahnung: Wenn der Arbeitgeber bei einer verhaltensbedingten Kündigung zuvor ordnungsgemäß abgemahnt hat.
Berufung: Die zweite Chance auf eine Abfindung
Nach einem verlorenen Verfahren in erster Instanz ist der Weg noch nicht zu Ende. Sie können innerhalb eines Monats nach Zustellung des schriftlichen Urteils Berufung beim Landesarbeitsgericht München einlegen. In der Berufungsinstanz ergeben sich neue Chancen:
- Vergleichsbereitschaft steigt: Viele Arbeitgeber möchten das Risiko einer Niederlage in zweiter Instanz vermeiden und sind bereit, sich doch noch auf eine Abfindung einzulassen.
- Neue rechtliche Bewertung: Das Landesarbeitsgericht kann den Fall anders bewerten als das Arbeitsgericht. Fehler des erstinstanzlichen Gerichts können korrigiert werden.
- Zusätzliche Beweise: Unter bestimmten Voraussetzungen können neue Tatsachen und Beweismittel eingebracht werden.
Allerdings: In der Berufungsinstanz gilt nicht mehr der Grundsatz, dass jede Partei ihre Anwaltskosten selbst trägt. Wer hier verliert, muss auch die Anwaltskosten der Gegenseite übernehmen. Eine sorgfältige Prüfung der Erfolgsaussichten ist daher besonders wichtig.
Berufungschancen prüfen lassen
Rechtsanwalt Gellert schätzt Ihre Erfolgsaussichten in der Berufung realistisch ein.
Kostenlose Erstberatung 089 - 201 741 44So vermeiden Sie eine verlorene Klage
Die beste Strategie ist, eine aussichtslose Klage gar nicht erst zu führen – und eine aussichtsreiche Klage optimal vorzubereiten:
- Realistische Einschätzung: Ein erfahrener Fachanwalt kann die Erfolgschancen Ihrer Klage realistisch bewerten, bevor Sie klagen.
- Dokumentation: Sichern Sie alle relevanten Unterlagen – Arbeitsvertrag, Kündigung, Abmahnungen, E-Mails, Zeugenaussagen.
- Vergleichsbereitschaft: Auch wenn die Klage nicht sicher gewonnen werden kann, ist ein Vergleich mit Abfindung oft möglich. Ein guter Anwalt weiß, wann ein Vergleich die bessere Option ist.
- Frühzeitig handeln: Die 3-Wochen-Frist läuft. Je eher Sie einen Anwalt einschalten, desto besser kann er Ihre Verteidigung aufbauen.
Kosten bei verlorener Klage
Die Kostenfrage ist bei einer verlorenen Kündigungsschutzklage ein wichtiger Aspekt:
- Erste Instanz (Arbeitsgericht): Jede Partei trägt ihre eigenen Anwaltskosten. Die Gerichtskosten sind gering und werden in der Regel vom Verlierer getragen.
- Zweite Instanz (Landesarbeitsgericht): Hier gilt die normale Kostenerstattung – der Verlierer zahlt auch die Anwaltskosten der Gegenseite.
- Kostenrisiko begrenzen: Eine Rechtsschutzversicherung oder Prozesskostenhilfe kann das finanzielle Risiko erheblich reduzieren.
Gerade weil das Kostenrisiko in der ersten Instanz überschaubar ist, lohnt sich eine Kündigungsschutzklage in vielen Fällen – selbst wenn der Ausgang unsicher ist. Die Chance auf einen Vergleich mit Abfindung besteht immer.